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Wracktauchen an der SS Vis & MS Argo, Kvarner Bucht/Istrien/Kroatien

Der Kvarner Kanal an der Ostküste Istriens ist ein beliebte Ziel von Wrackfans. Zahlreiche große und gut erhaltene Schiffswracks, die den Minensperren des zweiten Weltkrieges zum Opfer fielen, sind bei meist guter Sicht und angenehmen Temperaturen zu betauchen. Die SS Vis und die MS Argo ereilten kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges eben jenes Schicksal und waren für drei Tage Ende Oktober unserere Tauchziele.

 

Direkt vom DIR-GER Treffen in Hemmoor im Oktober 2012, fuhren Manu, Peter, Nadin und ich mit Zwischenstation in Stuttgart von der Nordsee an das Mittelmeer. Trotz einer vermeintlichen Geisterfahrt im Karavantunnel und dem Verlust meines Auspuffs während der Fahrt, trafen wir sicher an unserem Zielort Krnica ein. Ekke und seine Frau Gaby sind bereits einen Tag früher angereist und waren schon vor Ort.

Peter freut sich über etwas Abwechslung bei der Fahrt.

Ausgangspunkt für unsere Tauchgänge war wieder einmal die Basis Krnica Dive www.krnicadive.com von Mauritio Grbac. Speziell auf das Technische Tauchen ausgelegt, verfügt die Basis über eine gute Fülllogistik und mehrere Boote. Die Ausfahrten starten entweder im Hafen direkt vor dem Tauchcenter oder etwa 30 km entfernt in Plomin Luka und werden pünktlich und gut organisiert durchgeführt. Vom in Deutschland deutlich zu verzeichnenden Heliumengpass war bei Maurizio nichts zu spüren. Außer unsere Gruppe konnten weitere Taucher mit Helium versorgt werden.

 

Nachdem wir am Vormittag unseres ersten Tauchtages unser Dekorig (überwiegend für Fotoaufnahmen) zusammenbauten, ging es nachmittags mit dem PKW zum Hafen Plomin Luka, wo unser Tauchboot lag. Mit vier Tauchern genossen wir den Luxus ein für doppelt so viele technische Taucher ausgelegten Kutter in Beschlag nehmen zu dürfen. Zwölf Stages, drei PSCR, eine Doppel 18, zwei Kameras, eine Video-Leuchte und der restliche Kleinkram füllten das Boot trotzdem reichlich.

Peter, Michael, Manu und Ekke auf der Fahrt zur SS Vis.

Bei 22° und Sonenschein, aber spürbarem Seegang, fuhren wir in nur 20 Minuten zum Wrack der SS Vis. Dabei handelt es sich um ein jugoslawisches Damp-Frachtschiff, das am 13. Februar 1946 durch eine Seemine sank. Das etwa 80 m lange Wrack ruht in maximal 62 m Tiefe auf dem Sandgrund und ist derzeit mit einer Oberflächenboje versehen.

Gleich bei unserem ersten Tauchgang zeigte uns das Mittelmeer, was es alles zu bieten hat. Die See war inzwischen so rau, dass wir auf den Einsatz unseres Dekoriggs verzichten mussten und uns an Bord unseres Tauchschiffes mit angelegter Ausrüstung nur noch mit Unterstützung bewegen konnten. Zusätzlich hatten wir eine so starke Oberflächenströmung, dass wir Strömungsleinen brauchten, um vom Heck zum Bug und schließlich zur Boje der Shot-Line zu gelangen.

Doppel 18, 2 Bottomstages und 2 Dekogase mit Besatzung.

Der erste Tauchgang sollte uns einen Überblick über das gesamte Wrack und die aktuellen Bedingungen verschaffen. Nach unserem Abstieg am Bojenseil umrundeten wir das Wrack und stellten dabei starken Behang von Fischernetzen auf dem Achterdeck sowie sehr schlechte Sicht unterhalb von 55 m fest. Ein kurzer Abstecher in den Frachtraum durch die mittlere Ladeluke bestätigte die schlechte Sicht auch im Inneren des Wracks. Das war besonders schade, weil dadurch die riesige Ersatzschraube im Frachtraum an der Wand zum Maschinenraum, kaum zu erkennen war. Wir beließen es bei einer äußeren Betrachtung der Vis und beendeten unsere Grundzeit nach etwa 30 Minuten.

Manu und Michael am Wrack der SS Vis.

Auch am zweiten Tauchtag ging es wieder an die Vis, dieses Mal bei deutlich besseren Bedingungen. Die See war glatt wie ein Ententeich, kaum Strömung und wir hatten wieder über 20°C mit Sonnenschein. Endlich Zeit unser Dekorig zu nutzen und die Tauchgangsdauer um eine Bottomstage zu verlängern, da wir das Wrack dieses Mal an interessanten Stellen penetrieren wollten. Nachdem wir einige unserer Stages auf dem Oberdeck der Vis fixiert hatten, betauchten wir die Offizierunterkünfte und stießen in der Kapitänskajüte auf eine alte Badewanne, die noch immer an ihrem Platz steht. Ein Waschbecken liegt bereits am Boden und sämtliche Kabel aus der nicht mehr vorhandenen Deckenverkleidung motivieren zum Slalom-Schwimmen. An der Holzbeplankung der Aufbauten hat ebenfalls deutlich der Zahn der Zeit genagt, so dass inzwischen überall das Sonnenlicht durchscheint.

Anders sieht es im Maschinenraum aus. Zugang zum oberen Teil findet man durch eine der offenen Lüftungsklappen, wobei man sich über dem Dampfkessel befindet. Von dort kann man leider nur einen Blick auf den tieferen Teil werfen, da dieser mit einer Doppel 18 aufgrund der Enge kaum erreichbar ist. Noch immer vorhandene Messinstrumente weisen auf einen tatsächlich schwierigen Zugang hin... Und damit steht auch schon der Plan für den nächsten Besuch an der Vis: Schott zum Maschinenraum aus den Frachträumen finden! Nach etwa 60 Minuten Grundzeit beendeten wir den Tauchgang und hatten eine äußerst komfortable Deko an unserem Dekorig.

Manu und Michael in der Deko am Rig.

Für unseren letzten Tauchtag stand die MS Argo auf dem Programm. Der norwegische Frachter durchfuhr am 27. Januar 1948 auf dem Weg von Venedig nach Rijeka die freigeräumte Schneise eines Minenfeldes und kam dabei vom Kurs ab. Die mittschiffs explodierende Seemine riss das knapp 50 m lange Schiff direkt hinter der Brücke in zwei Teile und ließ es in kürzester Zeit sinken. Elf der zwölf Besatzungsmitglieder kamen bei dem Unglück ums Leben. Heute liegen beide Teile des Wracks mit etwa 50 m Abstand in 48 m Tiefe aufrecht auf dem Meeresgrund.

Wir planten, uns einen Überblick über das Wrack zu verschaffen und hier und da einen Blick ins Innere zu werfen. Die Shot-Line der Oberflächenboje führte uns auf den Bug, der kurz hinter der zerfallenen Brücke vom Heck abgetrennt ist. Auf dem vorderen Teil befindet sich die Mannschaftsunterkunft, worin wir auf Bettgestelle, Schuhsohlen und viele von der Decke herabhängende Kabel stießen. Durch eine große Ladeluke im Oberdeck gelangten wir in den Frachtraum, den wir aus dem nach hinten offenen Bugteil in Richtung Heck verlassen konnten. Eine Guideline führt zum 50 m entferten zweiten Schiffsteil. Auf dem Achterdeck steht die Kapitänskajüte, die wahrscheinlich noch so manches interesante Detail verbirgt. Aufgrund der verschlossenen Tür, kann man nur durch das Loch eines Bullauges einen Blick ins Innere werfen und entdeckt sofort den Geschwindigkeitsmesser, der inzwischen vor 64 Jahren dort abgelegt wurde. Was mag im nicht einsehbaren Teil der Kajüte noch zu finden sein? Des Weiteren befindet sich der über die Lüftungsklappen erreichbare Maschinenraum im Heckteil. Laut Maurizio ist dieser von einem 3 m langen Conger (genannt "Biest") bewohnt, der sich Eindringlingen gern bis auf wenige Zentimeter nähert... Meine Enttäuschung das Biest nicht kennengelernt zu haben hielt sich in Grenzen. Die uns zuvor unbekannte MS Argo ist ein interessantes Wrack, an dem sich weitere Tauchgänge lohnen. Die geringe Tiefe lässt auch dem OC Taucher genügend Zeit für eine ausführliche Erkundung.

Auf dem Weg in die Mannschaftsunterkunft.
Über dem Heckteil der MS Argo.

Für den Abend des letzten Tages reservierte Maurizio einen Tisch in einem Fischrestaurant in Pula, das in der Region als absoluter Geheimtipp gilt und bereits von Carlo Pedersoli (Bud Spencer) besucht wurde. Gemeinsam mit Richard Lundgren, Maarten van Baal und ihren Tauchschülern genossen wir Spezialitäten wie Haileber und Conger, der mir auf dem Teller entschieden lieber ist als in einem engen Maschinenraum. Durch ständiges Nachreichen neuer Köstlichkeiten wurden unsere anfänglichen Befürchtungen, aufgrund der recht übersichtlich wirkenden Portionen nicht satt zu werden, beseitigt. Wir verbrachten einen netten Abend miteinander und erfuhren einiges über Richards Projekt am Wrack der Mars und anderen taucherischen Highlights in schwedischen Gewässern.

Abschlussessen im Fischrestaurant.

Viel zu schnell ging unser dreitägiger Kurztrip an den Kvarner Kanal zu Ende. Unser Fazit: Absolut lohnenwerte Tauchgänge an interessanten Wracks, mit einem ausgezeichneten Support durch die Basis. Wer die weite Anfahrt nicht scheut, kommt auch in drei Tagen voll auf seine Kosten, vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Wir werden wiederkommen und freuen uns auf Tauchgänge an weiteren Wracks wie die Pelagosa, Kalliopi oder die Pascoli.

Maurizio, Michael, Peter und Manu auf dem Boot. Foto: Nadin Melcher
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